Revitalisierung von Warenhäusern

26.03.2020 / / / VON Johannes Lorkowski

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Als das erste Warenhaus „Bon Marché” 1838 in Paris eröffnete, folgten auch rasch in Deutschland diverse Warenhäuser. Georg Wertheim in Stralsund, Rudolf Karstadt in Wismar, Herrmann Tietz in Gera und Theodor Althoff in Dülmen. Und das sind die Bekanntesten. Bis zum ersten Weltkrieg schossen in Deutschland monumentale Konsumtempel aus dem Boden. „Alles unter einem Dach” war die Idee der Stunde, da die Kaufhäuser im Grunde nichts anderes waren als überdachte Marktplätze.

Die Bedeutung der Warenhäuser im Wandel der Zeit

Nach dem 2. Weltkrieg kam die 2. Blütezeit. Im zerstörten Deutschland wurden die Warenhäuser zu markanten baulichen Fixpunkten in den zunehmend autogerechten Innenstädten.

In den 70er Jahren begann die Bedeutung der Warenhäuser zu schrumpfen. Verbrauchermärkte und Einkaufszentren machten den Warenhäusern zu schaffen. Durch diverse Fusionen und Übernahmen versuchten die riesigen Konzerne den Verfall zu stoppen. Viele kleinere Warenhäuser um die 5.000 qm blieben auf der Strecke. Besonders schwer hat es die kleineren Städte getroffen. Hier waren die Warenhäuser, die meistens in zentraler Stelle der City lagen, oft die Magneten in den Fußgängerzonen. Durch das Schließen dieser Häuser kam und kommt es noch immer zu Verödungen  der Innenstädte. Oft vergehen Jahre, bis die Immobilien einer neuen Nutzung zugeführt, oder die Grundstücke neu bebaut werden.

„Bei der Revitalisierung von Warenhäusern sind Städte, Vermieter, Händler und Architekten zu gleichen Teilen gefragt.“

Johannes Lorkowski, Innenarchitekt/Retaildesigner D.S.D.5

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An den Beispielen in Lünen und Gelsenkirchen Buer konnte dank guter städtischer Planung und dem Einsatz von privaten regionalen Investoren eine Wiederbelebung erfolgen. Hier wurden zwei alte Hertie Häuser erfolgreich revitalisiert.

Auch dem schon lange leerstehenden Kaufhof in Mülheim an der Ruhr wird nun endlich neues Leben eingehaucht. Aus dem alten Kaufhof wird das neue „StadtQuartier Schloßstraße”. Hier wurde aber nicht, wie bei den beiden Hertie Häusern, die Bausubstanz genutzt, sondern es entsteht ein komplett neuer Gebäudekomplex. In Mülheim ist man sich sicher, dass auf bestehender Fläche ein neuer Innenstadtmagnet entstehen kann. Durch einen attraktiven Nutzungsmix und die Verbindung der Fußgängerzone mit der neuen Ruhrpromenade, soll die Innenstadt wieder mit der Ruhr verbunden werden.

Die Problematik der Umnutzung und Reaktivierung von leerstehenden Verkaufsflächen wird noch auf einige Innenstädte zukommen.